Die Arbeiten der teilnehmenden Künstler/innen

27. Mai 2014

White Elephant
Skulptur aus Stadtmöblierungselementen, unterschiedliche Materialien
Markus Ambach *1963 in Darmstadt, lebt in Düsseldorf
Standort: Westernstraße, vor dem Kaufhaus Peek & Cloppenburg
Werbetafeln, Hinweisschilder, Wegweiser, Verkehrszeichen, Bänke, Pflanzkübel, Müllbehälter, Straßenbeleuchtung – die Architektur von Einkaufszonen verschwindet hinter einschlägiger, uniformer Stadtmöblierung.
Markus Ambach nimmt das Thema auf. Er hat solche Alltagsgegenstände gesammelt, in einer  unübersehbaren Skulptur zusammengeführt und mitten in der Hauptachse der Paderborner Fußgängerzone platziert. Es sind bekannte Formen, alltägliche Objekte. Sie alle benötigen Platz im öffentlichen Raum, doch der gehört eigentlich der Stadtgesellschaft. Oder? Wer nutzt welche Räume im Zentrum der Städte? Und wofür? Und was wäre, wenn all diese Gegenstände aus der Fußgängerzone verschwinden würden? Der Begriff White Elephant, Weißer Elefant, steht im Englischen für belastenden Besitz oder ein Projekt, das mehr Ärger und Kosten verursacht, als es wert ist.
Markus Ambach ist Künstler, Initiator, Projektautor, Organisator von Ausstellungen und Projekten sowie Kurator. Er studierte visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und Integration Bildender Kunst und Architektur an der Kunstakademie Düsseldorf. Markus Ambach hatte einen Lehrauftrag an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, eine Gastprofessur an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und einen Lehrauftrag an der UdK Berlin.

Wäschespinne
Stahl, Wäschestücke, Brunnenpumpe, Wasser
Installation auf Brunnen von Josef Rikus aus dem Jahr 1977
Benjamin Bergmann *1968 in Würzburg, lebt in München
Standort: Westernstraße/Westerntor
Eine Wäschespinne „besetzt“ den großen Brunnen am Eingang der Fußgängerzone. Das weithin sichtbare Gestell thront auf übereinandergeschichteten, massigen Betonplatten. Eine Wasserfontäne konterkariert die eigentliche Aufgabe der Wäschespinne: Die wohlsortiert aufgehängte Kleidung wird ständig feucht gehalten. Bei dieser absurd anmutenden Installation stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit. Ob Betttuch oder Unterhemd, Wäsche erzählt etwas sehr Privates über ihre Besitzer. Und das mitten in der Innenstadt … „Vielleicht“, sagt Benjamin Bergmann „wäre eine absurde Welt ja schöner.“ Seine Installation ermöglicht einen neuen Blick auf den alten Brunnen.
Benjamin Bergmann machte eine Ausbildung als Holzbildbauer und studierte anschließend an der Münchener Akademie der Bildenden Künste. Er gehörte der Performancegruppe “GMAM” und der  Musik/Performancegruppe “Club le Bomb” an. Bergmann erhielt bereits den Bayerischen Staatsförderpreis, den Dorothea von Stetten-Kunstpreis und den Kunstpreis der Stadt Nordhorn.

einatmen : ausatmen
Breathing is a business like everything else …
Zweiteilige Installation
Claudia Brieske * 1966 in Meppen, lebt in Berlin
Standorte: Domsenke Ostseite: Bewegliche Skulptur in Form von überdimensionalen Lungenflügeln
Tiefgarage St. Vincenz-Krankenhaus/Am Busdorf: Videoprojektionen mit Klang
In der Senke zwischen Dom und Domplatz hebt und senkt sich eine riesige Kunststoff-Lunge. Man hört das
verfremdete Atemgeräusch eines Pferdes. Lebenszeichen zwischen Toten: Im Dom, direkt neben der atmenden Skulptur, ist die letzte Ruhestätte der Bischöfe, der Domplatz war bis 1808 ein Friedhof.
Der zweite Teil des Kunstwerks befindet sich rund 300 Meter entfernt in einer Tiefgarage. Zwei Parkbuchten werden zur Projektionsfläche: Im Video wälzt sich ein Hengst am Boden. Zu hören sind seine Bewegungsgeräusche. Unsichtbar, in einer gedachten Röhre, wird von der Domsenke Luft zur Tiefgarage transportiert und läuft dabei durch ein Erdreich voller Gebeine von Verstorbenen. Luft bedeutet Leben. Nicht mehr zu atmen, den Tod. Das Pferd verkörpert Kraft, Ausdauer, Bewegung und bildet den Gegenpol zu den Autos, die in der Tiefgarage und auf dem Parkplatz am Dom stillgelegt sind. Das Werk von Claudia Brieske markiert das östliche Ende des Kunstprojekts Tatort Paderborn in der Fußgängerzone. Die Arbeit ist ein Beitrag des Erzbistums Paderborn/ Diözesanmuseum und Bestandteil einer Kooperation zur
zeitgenössischen Kunst im öffentlichen Raum von Paderborn.
Claudia Brieske studierte Malerei an der Accademia di Belle Arti di Firenze und Freie Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Später arbeitete sie dort als Lehrbeauftragte und als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Media Art & Design. 2013 bekam Claudia Brieske den Medienkunstpreis des Saarländischen Rundfunks für ihr Werk “Körperschleusen (Liquid Souls)”.

SLOE – Tu dir Gutes Soziale Skulptur und Intervention im öffentlichen Raum
Termine werden im Kalender veröffentlicht.
dilettantin produktionsbüro gegründet 2003 in Bremen, agiert an der Schnittstelle zwischen Kunst und Alltag
SLOE ist die Inszenierung eines mobilen Ortes und bietet ein kulinarisches Angebot – Kaffee, Teegetränke, frische grüne Säfte und kleine Speisen – sowie eine Mode-Edition an. Mit SLOE richtet sich die  Künstlerinnengruppe an ein heterogenes Publikum, das möglicherweise nicht gekommen ist, um Kunst zu konsumieren. Außerhalb der üblichen institutionellen Räume zur Kunstpräsentation ermöglicht der öffentliche Raum die Inszenierung eines Verkaufsanhängers, welcher nicht inszeniert aussieht und es dennoch ist. Er tarnt sich durch seine Umgebung – in der Fußgängerzone oder auf dem Wochenmarkt – und durch sein alltägliches Format, das einen Imbisswagen oder Cateringmobil vermuten lässt. Gleichsam ist SLOE ein Ort für Kommunikation – für Gespräche über Kunst, Gott und die Welt. In diesem erzeugten Raum zwischen Kunst und Alltag sieht nichts nach Kunst aus. Es geht um Wahrnehmung, Aufmerksamkeit
und Sinnlichkeit, um Kommunikation, Beteiligung und Genuss.
[Sloe, engl. – 'Schlehdorn': Rosengewächs. Die Schlehe bringt den Körper in Schwung, verleiht frische Kräfte und schützt vor Erkältungen. Ihr wird eine starke Schutzwirkung
gegen Hexen zugeschrieben. Das dornenreiche Gehölz zählte früher zu den Pflanzen, mit deren Hilfe sich Ernte und Wetter vorhersagen ließen.]
[Slow, engl. – 'langsam' und food 'Essen': genussvolles, bewusstes und regionales Essen, bezeichnet eine Gegenbewegung zum uniformen und globalisierten Fastfood.
Über die Künstlerinnen: Seit 2003 entstehen unter dem Namen dilettantin produktionsbüro konzeptionelle Arbeiten zwischen Kunst und Alltag. Sie bewegen im Grenzbereich – also dort, wo die Frage nach der Kunst laut wird und ein Gespräch über Grenzen und Definitionen von Kunst ausgelöst wird. In Installationen, Aktionen und Performances schafft dilettantin produktionsbüro sinnliche temporäre Räume des Alltäglichen, bildet diese ab oder inszeniert sie; je nachdem ob ein kunstferner (alltäglicher) Ort verwandelt wird oder ein klassisch institutioneller Kunstort der Ausgangspunkt ist. Dabei dient eine kulinarische Ebene als Stimulanz und Kommunikationsmoment. Die Arbeiten richten sich oft subversiv an ein Alltagspublikum, das nicht gekommen ist, um Kunst zu konsumieren. Es wird sowohl räumlich
mit einbezogen als auch sinnlich verführt. Er oder sie kann sich nicht entziehen, sondern ist mittendrin. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Körper und Geist, um vom „Sinnlichen ins Denken und ins Sprechen zu kommen“.

CHAIRS to SHARE
10 Stuhlobjekte, Polyesterlaminat und Edelstahl; Farben: Rosa, Weinrot, Türkis, Orange, Gelb
Dorothee Golz *1960 Mülheim an der Ruhr, lebt in Wien
Standort: Westernstraße, vor der Franziskanerkirche
Kunst zum Benutzen: Dorothee Golz‘ Arbeit ist gleichzeitig Sitzmöbel und Kommunikationsmodell. Ein einzelnes Element ist nicht benutzbar, es ist lediglich ein skulpturales Objekt. Erst wenn zwei nebeneinander aufgestellt sind, erfüllen sie ihren Zweck. Mitten in der Innenstadt ersetzen die bunten Kunststoffsessel die städtischen Gitterbänke aus grauem Metall. Man kann sich als Betrachter oder als Agierender auf sie einlassen. Sie laden ein zu Kontakt, Kommunikation und Nachdenken über Gestaltung im öffentlichen Raum. Wie fühlt sich ein Wartender auf den CHAIRS to SHARE? Wird das nutzbare Kunstwerk zum neuen Treff- und Ruhepunkt im Einkaufstrubel?
Dorothee Golz lebt und arbeitet seit 1988 in Wien. Sie studierte Kunst an der Ecole Supérieur des Arts Décoratifs de Strasbourg und parallel dazu Kunstgeschichte und Ethnologie an der Universität Freiburg. Internationale Bekanntheit erreichte sie durch die Teilnahme an der documenta X (1997), auf der sie ihre Skulptur Hohlwelt und Zeichnungen zeigte. Die Arbeiten von Dorothee Golz waren bereits bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa, Asien und den USA zu sehen.

später sein wird
Skulptur, verzinkter Stahl, Apfelbaum, Rasenfläche, Randsteinpflasterung, Beleuchtung
Geschenk der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West, Einweihung Sommer 2013
Christian Hasucha *1955 in Berlin, lebt dort
Standort: Platz vor dem Hauptbahnhof
Ein zarter, junger Apfelbaum wird umrahmt und beschützt von einer stählernen Schablone, die wie eine Silhouette den Umriss eines großen, ausgewachsenen Baumes nachzeichnet. Christian Hasucha hat mit seiner permanenten Installation dem typisch städtischen No Place vor dem Bahnhof, dem Tor zur Innenstadt, eine liebevolle neue Identität gegeben. später sein wird ist ein Sinnbild für das Verhältnis von Raum und Zeit. Eine „Art von Natur-Uhrwerk, das die vergangene und die verbleibende Zeitfrist plastisch vor Augen führt“, sagt der Künstler. Das Verhältnis von Zeit und Raum ist eine der wichtigsten Kategorien, in denen die menschliche Existenz Halt sucht und Orientierung findet.
Christian Hasucha arbeitet seit 1981 überwiegend mit Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum. Er studierte Freie Kunst an der UdK Berlin und an der Chelsea School of Art in London. Er hatte Lehraufträge und Gastprofessuren an verschiedenen Hochschulen im In-und Ausland, lehrte u.a. "Ästhetik in Theorie und Praxis" am Fachbereich Architektur der Universität Kassel und "Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien" an der Bauhaus-Universität in Weimar.

Cage
Skulptur, Eisen und Aluminium
Huang Yong Ping * 1954 in Xiamen (China), lebt in Paris
Standort: Wiesenfläche im Paderquellgebiet an der Bachstraße
Eine seltsame Szenerie: Das Skelett einer Schlange windet sich kreisförmig um sich selbst und erhebt sich in die Höhe. Lange, rippenartige Stelzen halten die Wirbelsäule und bilden zugleich einen Zaun. Wie in einem Käfig ist diese riesige Schlange in sich und mit sich selbst gefangen. Oder werden nur die Passanten vor ihr geschützt? Das Werk bezieht sich auf ein Motiv, das wenige Meter entfernt in der Shopping-Meile zu sehen ist: Am Marienplatz hoch auf einer Säule, setzt die betende Figur der Muttergottes ihren Fuß auf ein schlangenähnliches Tier, so als wolle sie es bezwingen. In der christlicher Symbolik steht die Schlange für Verführung und moralische Schwäche, in der asiatischen auch und darüber hinaus für Verschwendung. Dazu laden die Konsumtempel ein, die den Marienplatz umzingeln.
Huang Yong Ping wurde in Xiamen, Provinz Fujian, im Südosten Chinas geboren, studierte an der Zhejiang-Kunstakademie in Hangzhou und machte seinen Abschluss im Fach Ölmalerei. Gemeinsam mit anderen jungen Künstlern gründete er Mitte der 1980 Jahre die Xiamen Dada Group. Aus Protest gegen das herrschende Kunst- und Kulturverständnis verbrannten die Künstler ihre Werke öffentlich. Heute werden Huang Yong Pings Arbeiten weltweit in Einzel- oder Gruppenausstellungen, in bekannten Museen, Galerien und im öffentlichen Raum gezeigt. 1999 vertrat er Frankreich bei der Kunstbiennale in Venedig.

Donnerstag
Zweiteilige Filminstallation für Paderborn, 2011/2014
Darsteller: Sibylle Canonica, André Jung, Andreas Lechner, Christoph Luser, Konzept und Regie: M+M
M+M – Marc Weis und Martin De Mattia
Marc Weis *1965 in Daun, Martin De Mattia *1963 in Duisburg, leben beide in München
Standort: Marienstraße/Ebene Königsplatz, leer stehendes Ladenlokal (ehemals Der Club Bertelsmann)
Wie würde sich der heilige Franziskus heute verhalten? In zwei mit sehr renommierten Schauspieler/innen besetzten
Filmen siedeln M+M eine zentrale Szene aus seinem Leben im 21. Jahrhundert an. Die Filme werden parallel gezeigt. Thematisiert werden Franziskus’ Bruch mit seiner Familie und die radikale Abkehr vom Reichtum. Er zieht sich demonstrativ aus und legt seinen Eltern die Kleider vor die Füße, um sich splitternackt auf den eigenen Weg zu machen. In Donnerstag spielt die Szene in der Machtzentrale eines heutigen Finanzkonzerns, im lichtdurchfluteten Sitzungssaal eines Wolkenkratzers hoch über einer Großstadt. Die beiden Filme dieser Arbeit wurde im Winter 2011/12 an zwei Orten im Außenraum der Stadt gezeigt, als zeitgenössischer
Beitrag zur kunsthistorischen Ausstellung Franziskus – Licht aus Assisi des Diözesanmuseums Paderborn.
Jetzt werden sie gleichzeitig im Innenraum eines leerstehenden Ladenlokals in der düsteren Passage des Königsplatzes zu sehen sein – eine dichtere, intimere Präsentationsform.
M+M steht für die künstlerische Zusammenarbeit von Marc Weis und Martin De Mattia. Die beiden Künstler erhielten zahlreiche, internationale Auszeichnungen und Stipendien und hatte u. a. Gastprofessuren an der Peter Behrens School of Architecture, Düsseldorf und an der Kunstakademie, München, sowie eine Dozentur an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich und einen Lehrauftrag an der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe.

Hortus Oblitus
Hochbeete, bepflanzt mit Kräutern und Heilpflanzen, bestehend aus ca. 100 Holzkisten, zwei verschiedene Maße und
Höhen, Grasbeete auf Bodenniveau
OOZE Architects gegründet 2003, Eva Pfannes *1970 und Sylvian Hartenberg *1968, leben beide in Rotterdam
Standort: am Kamp, Platz vor der Marktkirche
Auf dem großen Vorplatz der Marktkirche legen Ooze Architects eine Gartenlandschaft aus Hochbeeten an. Die quadratischen Module werden mit Heilpflanzen, Kräutern, Stauden oder Gehölzen bepflanzt. Einige von ihnen sind längst in Vergessenheit geraten. So entsteht eine Art moderner Klostergarten mitten in der Einkaufszone. Die Arbeit setzt stadtplanerische und ästhetische Akzente, indem sie eine prominente, innerstädtische Freifläche neu nutzt und Grundgedanken des Urban Gardening aufnimmt. Gemeint ist die Rückkehr von Nutzpflanzen in einen Lebensraum, aus dem sie schon vor langer Zeit verdrängt wurden. Und es geht nicht nur um das Züchten von Verzehrbarem. Wo es Urban Gardening gibt, entstehen auch neue Treffpunkte und grüne Oasen.
Eva Pfannes studierte an der Kunst-Akademie Stuttgart und der Bartlett Architekturschule London. Anschließend arbeitete sie bei Maxwan architects + urbanists in Rotterdam und Zaha Hadid Architects in London. Sie war als Tutorin sowie Gastkritikerin tätig und unterrichtet an der Eindhoven Design Academy (NL).
Sylvain Hartenberg studierte an der Ecole Nationale Supérieure des Arts et Industries (ENSAIS) in Straßburg und an der Bartlett Architekturschule London. In Paris und London arbeitete er für Architekturbüros und war als Gastkritiker für Barlett und North London Polytechnic tätig.

Raum für Kunst
Arbeiten des Paderborner Kunstproduktionskollektivs (gegründet 1991)
Standorte: Atelierhaus, Kamp 21/Kötterhagen und verschiedene Orte in der Innenstadt
Haben wir die Freiheit, uns selbst einen Platz zu suchen und zu erschaffen oder werden wir durch abgegrenzte, vorgegebene Räume auf Verhaltensweisen reduziert? Sind wir kritiklose Schnäppchenjäger in der Welt des Konsums oder halten wir im Einkaufsalltag hinterfragend inne? Sehen wir die Menschen, denen es nicht so gut geht, nehmen wir Unorte oder Armut zwischen Luxus, Mode und Straßenmusik wahr? Wie hält es die Öffentlichkeit mit Intimität – benötigen wir nicht Schutzzonen? Und was bedeutet uns eigentlich die Kunst im öffentlichen Raum? Der Raum für Kunst versucht in unterschiedlichen Projekten Antworten auf diese Fragen zu finden. Die Arbeiten sind an verschiedenen Orten der Innenstadt oder im Atelierhaus selbst zu sehen.
Alle Termine werden zeitnah im Kalender und der Website des Raum für Kunst veröffentlicht.
Der Raum für Kunst e.V. wurde im Februar 1991 von einer Kunststudentengruppe der Paderborner Universität gegründet. Ihr Domizil, ein ehemaliges Backhaus in unmittelbarer Nähe zu Rathaus und Theater, teilt sich auf in zwei Atelieretagen, einen Veranstaltungs- und Ausstellungsraum sowie einen Werkstatt-Keller. Schwerpunkt der Veranstaltungen sind Einzel- und Gruppenausstellungen von Mitgliedern der Ateliergemeinschaft sowie Fremdaussteller/innen. Außerdem gibt es Kooperationen mit verschiedenen kulturellen Einrichtungen in der Stadt. Es finden Kabarett, Lesungen, Performances, Seminare und Workshops statt.

Stadtvergoldung
Installation und Performance
Clea Stracke & Verena Seibt
Verena Seibt *1980 in Dachau, Clea Stracke *1982 in Berlin, leben in Köln und München
Standort: Westernstraße, Platz vor dem Kaufhaus Klingenthal
Ein Baustellenensemble lässt zunächst an Straßenarbeiten denken. Erst bei näherem Hingehen kann die Kunstinstallation erkannt werden. Clea Stracke und Verena Seibt belegen in akribischer Feinarbeit und nach alten Handwerksregeln den Boden mit Gold, dem Symbol für Glanz und Ewigkeit, Macht und Reichtum. Stück für Stück werden Betonplatten, Gulli-Deckel, Pflastersteine mit Blattgold überzogen. Ein Gegensatz zum alltäglichen Umgang mit der Straße, die man sonst nur mit Füßen (be-)tritt. Durch die liebevolle Behandlung des absolut Profanen wird der Fokus auf das Phänomen der Fußgängerzone selbst gelenkt. Die Langsamkeit der Vergoldungsprozedur steht dem Passantenstrom entgegen und lädt zum Innehalten ein. Was mit der goldenen Fläche geschieht, wenn die Fläche freigegeben ist, bleibt abzuwarten. Vielleicht werden die Spuren der Zeit, des Wetters, der Schritte die wertvolle Schicht nach und nach abtragen. Vielleicht verteilt sich das Gold an den Schuhsolen wie eine Botschaft über die gesamte Stadt. Geplant ist, eine Fläche von ein paar Quadratmetern zu bearbeiten, die als pars pro toto für die Aufwertung des gesamten
Stadtraums steht und rührend in ihrem Ausmaß von der Unmöglichkeit des Unterfangens zeugt.
Die Vergoldung findet in drei Phasen statt: Do. 29. + Fr. 30. Mai, Fr. 04. bis So. 06. Juli, Do. 4. bis Sa. 6. September. Inder übrigen Zeit wird die vergoldete Fläche freigegeben.
Clea Stracke und Verena Seibt arbeiten seit 2006 zusammen. Gemeinsam erhielten sie die Projektförderung des Akademievereins, den Diplompreis der Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung, den Start Point Preis der Galerie Klatovy/Klenová, CZ und das Projektstipendium für Bildende Kunst der Stadt München. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Sometimes
Skulptur, Aluminiumgrundkörper, Neonglas, Steuerung, Münzapparat
Silke Wagner *1968 in Göppingen, lebt in Frankfurt am Main
Standort: Kamp 4, Nordfassade des Gymnasium Theodorianum
Ein Kunstwerk aus Leuchtstoffröhren verbunden mit einem Münzautomaten. Die große Neon-Arbeit hat die Form eines stilisierten Pfaus. Der imposante Vogel gilt als Sinnbild für Schönheit, Reichtum und Unbestechlichkeit, aber er steht auch für Dekadenz, Arroganz und Eitelkeit. Für Paderborn hat er als wichtiges Symbol der Stadtgeschichte eine besondere Bedeutung. Wer hier Geldstücke einwirft, kann die Skulptur schrittweise für eine kurze Zeit zum Leuchten bringen. Das Geld kommt als Spende einer gemeinnützigen Organisation in Paderborn zugute. Sometimes nimmt das Motiv der Reizüberflutung durch Werbebotschaften auf und entzieht sich zugleich der Vereinnahmung als Stadtdekoration, weil es erst durch aktive Beteiligung funktioniert. So werden aus „konsumierenden“ Betrachter/innen bewusst teilnehmende Akteur/innen.
Silke Wagner studierte an der Städel-Hochschule für Bildende Künste Frankfurt am Main, lehrte an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Ihre Arbeiten waren bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellung im In- und Ausland zu sehen. Sie beteiligte sich u.a. an der Skulptur.Projekte Münster 07 und an der Emscherkunst 2010.

Kooperation mit der Universität Paderborn
Wem gehört die Stadt? Skulpturale Interventionen und urbane Utopien als Konzept, Modell, Montage
Ausstellung von Studierenden in der Städtischen Galerie Am Abdinghof
Der Marienplatz verschwindet in einem schwarzen Loch. Der Angstort Fußgängerunterführung wird mit rosafarbenen Wischmops verkleidet. Rhythmisch wiederkehrend signalisiert das grelle Leuchten eines „Blitzlichts“ die totale Überwachung in der Westernstraße. Zelte, in Form menschlicher Silhouetten, laden zur Entspannung ein. Eine rote Kugel rollt durch die Fußgängerzone und fegt sie leer. Ameisen fressen das Zuckergussmodell von Paderborn auf. Buchstaben aus Dachlatten machen „A-A-A-N-G-S-T“ im Bahntunnel.
„Wem gehört die Stadt?“ und „Wie soll der Ort aussehen, an dem wir leben?“ Zu diesen politisch und gesellschaftlich brisanten Fragestellungen entwickelten Studierende des Fachbereichs Kunst visionäre Projektideen. Ihre Arbeiten entstanden, ohne Einschränkungen durch Realisierungsvorgaben, unter der Leitung von Prof. Dr. Sara Hornäk, in Kooperation mit dem Dozenten und Bildhauer Hartmut Wilkening.
Teilnehmende Studierende: Cynthia Arnold, Kristin Bardehle, Anell Bernard, Vanessa Bloß, Lotte Böker, Anna Brendel, Monique Breuer, Claudia Dahm, Franziska Dirks, Anke Dobberstein, Julia Dowe, Laura Drüke, Mira Falke, Denise Fecho, Anna Kitzka, Lisa Kuntze-Fechner, Ailine Meier, Susanne Henning, Lisa-Marie Heymann, Peter Lepp, Stephanie Lerke, Maike Maclachlan / Marie Wittig, Justyna Orzechowska, Maria Nebeling, Jan Nigrini, Tim Pickartz, Serafima Redkina, Florian Salim, Franziska von Schalscha, Luisa Schürmann, Svenja Schütze, Jessica Schwarzer, Lisa Thal, Anna-Lena Zschoche und andere

Künstler/innengespräche
Eingebunden in ein Seminar zur „Kunst im öffentlichen Raum“ von Prof. Dr. Sara Hornäk (Universität Paderborn/Fachbereich Kunst) finden sechs öffentliche Gesprächsrunden mit Künstlerinnen und Künstlern statt.
Jeweils 18.15 bis 19.45 Uhr, Städtische Galerie Am Abdinghof, Paderborn, Eintritt frei
03.06. Dorothee Golz
17.06. Claudia Brieske
24.06. Clea Stracke/Verena Seibt
01.07. Markus Ambach
08.07. Silke Wagner
15.07. Ooze Architects

Ausführlicheres Material zu den Arbeiten sowie den Kurzführer mit Stadtplan als PDF finden Sie
im Pressebereich unter www.blog-tatort-paderborn.com/presse
Aktuelle Informationen: www.facebook.com/TatortPaderborn , www.blog-tatort-paderborn.com
Basisinfos: www.tatort-paderborn.com

[DOWNLOAD PDF]