Franziskus reloaded

© M+M

Installation der Münchner Künstler M+M für Tatort Paderborn

Eigentlich hieß er Franz von Assisi und war wohlhabend. Doch der Legende nach gab der Hl. Franziskus sein gesichertes und sorgenfreies Leben auf, wählte stattdessen materielle Armut und spirituellen Reichtum. Das Münchener Künstlerduo M+M, Marc Weiß und Martin De Mattia, verlegt die Szene der Abkehr in die Jetzt-Zeit und zeigt sie in zwei parallelen Filmszenen. Beim Kunstprojekt Tatort Paderborn 2014 sind sie in einem leerstehenden Ladenlokal zu sehen.

Der Name Franziskus hat aktuell einen besonders guten Klang, viele schauen neugierig und hoffnungsvoll auf die Reformbestrebungen des neuen Papstes. Eine programmatische Namenswahl. Franz von Assisi, sicherlich einer der bekanntesten und meist verehrten Heiligen, passt wohl in vielerlei Hinsicht gut in die Zeit.

Abschied in der Machtzentrale
M+M beschäftigt in ihrer Arbeit der Moment, in dem der Händlersohn radikal mit seiner Familie und seiner Vergangenheit bricht. In ihren Filmsequenzen verabschiedet sich Schauspieler Christoph Luser aus einem Leben als Bankierssohn. Demonstrativ zieht er sich aus und legt seinem Vater die Kleider vor die Füße, um sich splitternackt auf den eigenen Weg zu machen. Die Szene spielt in der Machtzentrale eines heutigen Finanzkonzerns, konkret, im lichtdurchfluteten Sitzungssaal eines Wolkenkratzers hoch oben über der Großstadt.
Während ein Film den Bruch mit dem Vater (André Jung) zeigt, ist im anderen das letzte Zusammentreffen mit der Mutter (Sybille Canonica) zu sehen, das sich aber in einer ganz anderen Stimmung vollzieht. Die Szenen werden nebeneinander auf zwei Leinwänden gezeigt, sind also gleichzeitig präsent. Der Dialog ist nahezu identisch.

Verzicht in der Fußgängerzone
Die Arbeit wurde bereits 2011 für Paderborn produziert. Die beiden Videos mit dem Titel Donnerstag waren gut hundertfünfzig Meter von einander entfernt an Außenwänden in der Fußgängerzone zu sehen. Als zeitgenössischer Beitrag zur kunsthistorischen Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ des Diözesanmuseums Paderborn markierten sie den Weg zwischen zwei Ausstellungsorten. Nebeneinandergestellt ergibt sich eine völlig neue Wahrnehmung der Installation. Zu sehen ist sie in einer ehemalige Buchhandlung in einer düsteren Ecke des Paderborner Königsplatzes – städtebaulich wohl der problematischste Teil der Fußgängerzone. Hier wird die kompromisslose, unmissverständliche und unumkehrbare Abwendung von Reichtum und Konsum mitten in die Innenstadt und in eine pulsierende Diskussion verlegt.

Donnerstag gehört zu einer Serie von Arbeiten, an der die M+M seit 2008 arbeiten: Die 7 Tage. Das hört sich religiöser an, als es ist. Nur Donnerstag hat die versteckte Referenz zu einer Heiligenlegende. 7 Tage ist eine Reihe von Zweikanalinstallationen, in denen der Schauspieler Christoph Luser in wechselnden Identitäten und immer neuen Situationen auftaucht. Gemeinsam ist ihnen die Referenz zu Schlüsselszenen aus Spielfilmen.