Raum für Kunst, Künstlerkollektiv Paderborn

RfKschmal2_NEURaum für Kunst
Arbeiten des Paderborner Kunstproduktionskollektivs (gegründet 1991)
Standorte: Atelierhaus, Kamp 21/Kötterhagen und verschiedene Orte in der Innenstadt

Haben wir die Freiheit, uns selbst einen Platz zu suchen und zu erschaffen oder werden wir durch abgegrenzte, vorgegebene Räume auf Verhaltensweisen reduziert? Sind wir kritiklose Schnäppchenjäger in der Welt des Konsums oder halten wir im Einkaufsalltag hinterfragend inne? Sehen wir die Menschen, denen es nicht so gut geht, nehmen wir Unorte oder Armut zwischen Luxus, Mode und Straßenmusik wahr? Wie hält es die Öffentlichkeit mit Intimität – benötigen wir nicht Schutzzonen? Und was bedeutet uns eigentlich die Kunst im öffentlichen Raum? Der Raum für Kunst versucht in unterschiedlichen Projekten Antworten auf diese Fragen zu finden. Die Arbeiten sind an verschiedenen Orten der Innenstadt oder im Atelierhaus selbst zu sehen.
Alle Termine werden zeitnah im Kalender und der Website des Raum für Kunst veröffentlicht.

Der Raum für Kunst e.V. wurde im Februar 1991 von einer Kunststudentengruppe der Paderborner Universität gegründet. Ihr Domizil, ein ehemaliges Backhaus in unmittelbarer Nähe zu Rathaus und Theater, teilt sich auf in zwei Atelieretagen, einen Veranstaltungs- und Ausstellungsraum sowie einen Werkstatt-Keller. Schwerpunkt der Veranstaltungen sind Einzel- und Gruppenausstellungen von Mitgliedern der Ateliergemeinschaft sowie Fremdaussteller/innen. Außerdem gibt es Kooperationen mit verschiedenen kulturellen Einrichtungen in der Stadt. Es finden Kabarett, Lesungen, Performances, Seminare und Workshops statt.

www.raumfuerkunst.de
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Von Schutzzonen, der Mafia und subversivem Treiben

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Der Raum für Kunst ist sehr aktiv am TATORT PADERBORN

„Neuer Platz“ heißt Paderborns chicster Bereich in der Innenstadt, ein edel-modernes Stück Fußgängerzone. Direkt hinter dem historischen Rathaus haben Banken und das Theater mit moderner Architektur aufgerüstet. Beeindruckend. Biegt man aber hinter dem Schauspielhaus ab, steht man direkt vor einem Relikt vergangener Tage: Meister Ostermanns ehemalige Dampf-Bäckerei. Heute ist es der „Raum für Kunst“. Seit 1991 ist hier ein Künstler/innenkollektiv zuhause. Zehn Frauen und Männer teilen sich die Plätze in den beiden offenen Atelieretagen und einer betreibt eine ungewöhnliche (Produktions-)Werkstatt im Keller. Auch für eine(n) Gast-Künstler/in ist noch Platz vorhanden. Im großen Raum des Erdgeschosses finden regelmäßig Einzel- und Gruppenausstellungen statt. Hier wird alle zwei Jahre zum Paderborner Wintersalon eingeladen und zum beliebten Libori-Nacht-Kabarett. Der Ort eignet sich auch für Filmwettbewerbe, Workshops und Poetry-Slam.
„Ideal“, befand Kurator Florin Matzner und lud das Team vom Raum für Kunst zum TATORT PADERBORN ein. „Das ermöglicht einen Paderborner Innenblick auf den Außenraum Fußgängerzone“, sagt er, denn alle anderen Künstler/innen die zur Teilnahme am Projekt eingeladen wurden, sind fremd in der Stadt. Jetzt hat die Ateliergemeinschaft ein umfangreiches Programm für den Innen- und den Außenraum auf die Beine gestellt.

Alle Termine werden zeitnah bekannt gegeben, auch hier, im Kalender des Blogs.

Schutzzonen_JörgLuetkemeier_2014Jörg Lütkemeier wird SCHUTZZONEN einrichten. Seine begehbare Installation aus dem dünnen, schillernden Material von Rettungsdecken ist im Raum für Kunst und vor der Städtischen Galerie zu erleben. Dort im Außenraum sind die temporären „Schutzzonen“ für 100 Stunden präsent.

 

 

SONY DSCINNENRÄUME – AUSSENRÄUME heißt die Ausstellung von Christiane Vahle. Die Künstlerin kommt aus dem Bereich der Architektur und legt ihren großformatigen, abstrakten Bildern und Objekten Pläne aus dem Katasteramt zugrunde. In ihren Werken Verwischen der Grenzen zwischen innen und außen, Fläche und Form.

 

 

SommerkinoDas SOMMMERKINO ist ein Gemeinschaftsprojekt von Ateliermitgliedern und Gästen. Im ersten Stock des Raums für Kunst wird ein Projektor aufgestellt, der wirft Videoinstallation und Schattenspiele an die Fassade des gegenüberliegenden Theaters. Es sind fragmentarische Eindrücke aus dem Fußgängeralltag.

 

Kaninchen_auf_Rasen_Martin_Veit_2014 Echte Hasen auf frischem Rollrasen gibt es im ANTI-KONSUMTEMPEL. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt im Raum für Kunst, an dem sich Brigitte Kleibohm, Mona Schäfer, Martin Veit, Irmtrud Winzek und Gäste der Universität Paderborn (Fachbereich Textil) beteiligen. Auf vielfältige Weise beleuchtet sie die Beziehungen zwischen Konsum, Etikettenschwindel, luxuriösen Auslagen und entstehendem Müll. Das Projekt hinterfragt Lebensweisen, Selbstverständlichkeiten und Kaufgewohnheiten.

 

SAMSUNGEPPURE SI MUOVE – NUTZT JA NIX so heißt die Ausstellung von Marco E. Boscarato. „Die Fußgängerzone ist ein Ort entschleunigter Bewegung und beschleunigten Konsums“, sagt er. „Wer das anders will, bestellt sich ein Taxi oder geht in den Untergrund.“ Dort arbeitet der Künstler extrem langsam an Konsumprodukten. Seine K17 Kellerwerkstatt im Raum für Kunst „it’s not a shop, it’s a workshop“.

 

 

Albert Wittbrock ist ein Gast der Ateliergemeinschaft und bringt ein fahrbares Bett mit. Mit dem wird er die Fußgängerzone erkunden. Seine mobile Installation DAS FAHRENDE BETT thematisiert den Umgang mit dem Privaten und dem Öffentlichen, denn die Performance lässt Gewöhnliches und Ungewöhnlich aufeinander treffen.

25 LICHTMARKIERUNGEN bringt Elmar Brinkmöller an ausgewählten Orten in der Innenstadt unter. Mit rhythmischem Leuchten werden sie für Irritation und Aufmerksamkeit sorgen. Die Installation ist Teil der Ausstellung ZWEIBLICKE.

ZWEIBLICKE ist ein Kunstprojekt mit Künstlern und Angehörigen der Polizei. Polizisten wie Künstler haben besondere Sichtweisen der Welt. Beide Berufsgruppen versuchen – zumindest zum Teil – hinter die Oberfläche zu blicken. Während die Arbeit der Polizei selten das Licht der Öffentlichkeit sieht, versuchen Künstler genau dort Aufmerksamkeit zu erregen. Gezeigt werden Objekte, Airbrush, Malerei und verfremdete Fotografie.

Subversiv geht Mona Schäfer vor. Für ihre Arbeit STONED installiert sie Bautafeln zu fiktiven bzw. absurden Bauprojekten und wirft einen kritischen Blick auf den innerstädtischen Wandel. An viel frequentierten Plätzen werden ihre hohen Bild-Text-Tafeln Hinweise auf zukünftige Bautätigkeiten geben – und irritieren.

Auch WERKSCHAU UND KUNSTBLIZE sind Gemeinschaftsaktionen. Dabei präsentieren Mitglieder der Ateliergemeinschaft eine Werkauswahl in moderierten Vorstellungen mit öffentlicher Diskussion.

Mit digitaler Fotografie wird Andreas Eikenberg verborgenen, übersehenen, im Wortsinn übergangenen Strukturen der Fußgängerzone gesellschaftliche Strukturen von Recht und Unrecht, Gesetz und Verbrechen gegenübergestellt. Seine Ausstellung im Raum für Kunst heißt PB2014 – SECRET STRUCTURES II.

Warum_die_Mafia_in_Paderborn_nie_Fuß_fassen_konnte_MarcoEBoscarato2014Marco E. Boscarato besinnt sich auf seine italienischen Wurzeln, wenn er fragt: Wer zieht die Fäden in der Stadt an den Quellen? Für seine Performance WARUM DIE MAFIA IN PADERBORN NIE FUSS FASSEN KONNTE steigt er im Paderquellgebiet ins Wasser, um der Sache richtig auf den Grund zu gehen.

 

 

Zigarettengespräch_LogoZum ZIGARETTENGESPRÄCH laden Marco E. Boscarato und Andreas Eikenberg ein. Nach zahlreichen erfolgreichen Comebacks ist das beliebte Format zum TATORT PADERBORN wieder da. Eingeladen sind ambitionierte Raucher und interessierte Nichtraucher, um die verschiedensten Aspekte zeitgemäßen Tabakkonsums und offene Fragen des modernen Lebens zu erörtern. It’s not al talk, it’s a smalltalk.

 

Beitrag und alle Fotos: Waltraud Murauer-Ziebach

Abbildungen zum Programm von oben nach unten: Schutzzonen, Jörg Lütgemeier, 2014; Von der Fläche zur Form, Christiane Vahle; Ohne Titel, Friedericke Themann; Kaninchen auf Rasen, Martin Veit, Warum die Mafia … Marco E. Boscarto; Logo Zigarettengespräch.