Sometimes oder was hat der Pfau mit Paderborn zu tun

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Silke Wagners Arbeit spielt mit einem Motiv der Paderborner Stadtgeschichte
Libori steht vor der Tür. Beim alljährlichen Stadtfest herrscht in Paderborn Ausnahmezustand – das volle Programm wohin man sieht. Und jeder setzt in der Libori-Woche seine eigenen Schwerpunkte: Schnäppchenjagd in der Fußgängerzone, Pottmarkt-Bummel, Kirmes, mit Freunden an einem der vielen Stände treffen, um zu essen und zu trinken, Besuch beim Openair-Konzert, Libori-Prozession. Die beginnt feierlich im Hohen Dom und ist der Höhepunkt der kirchlichen Feierlichkeiten. Dann wird in einer langen Prozession der kostbare, goldene Reliquienschrein des Liborius durch die Stadt getragen. Ihm voran und weithin sichtbar ein prächtiger Fächer aus wunderschönen Pfauenfedern. Und das hat seinen Grund. So ist es auch kein Zufall, dass die Frankfurter Künstlerin Silke Wagner beim Kunstprojekt TATORT PADERBORN einen Pfau aus Neon-Röhren erstrahlt lässt. Das heißt, der leuchtet erst nachdem man einen Euro eingeworfen hat. So gibt Silke Wagner mit ihrer Arbeit Sometimes nicht nur einen Fingerzeig auf die in der Fußgängerzone allgegenwärtige Reklame, die man schon aufgrund der schieren Fülle kaum noch einzeln wahrnimmt. Sie setzt gleichzeitig ein ausgesprochen symbolträchtiges Tier in Szene. Ursprünglich verband man den Pfau mit Unsterblichkeit, und sein Rad erinnerte die Menschen an einen Heiligenschein. Die wunderbaren Farben der Pfauenfedern entstehen aber nur, weil sie das Licht reflektieren. Eigentlich sind sie ganz unscheinbar. Heute denkt man beim Pfau vor allem an Imponiergehabe und Eitelkeit oder – positiver formuliert – an beeindruckende Schönheit.
In Paderborn entdecken aufmerksame Betrachter an vielen Stellen Pfauendarstellungen. An Brunnen, Bauwerken und vor allem im und am Hohen Dom trifft man dieses stolze Tier immer wieder an. Der Grund dafür findet sich in der Stadtgeschichte und der so genannten Pfauenlegende. Als die Gebeine des Stadtpatrons, des heiligen Liborius, im Mittelalter aus dem französischen Le Mans nach Paderborn gebracht wurden, soll der Delegation während der ganzen langen Reise ein Pfau voran geflogen sein, der den Weg wies. Beim Erreichen des Paderborner Doms sei der Vogel tot vom Himmel gefallen.
Wenn in diesen Tagen (26. Juli bis 3. August 2014) in der kompletten Paderbonrer Innenstadt das Libori-Fest gefeiert wird und die Besucher des weltlichen Teils des Festes zwischen Kamp und Rathaus flanieren und feiern, wird wohl so mancher von ihnen den Pfau von Silke Wagner erstrahlen lassen.

Foto: Roman Mensing

Mehr zur Pfauenlegende und der wahrscheinlich tatsächlichen Bedeutung des Paderborner Pfauenbezugs auf den Seiten der Stadt Paderborn.

  1. Homrighausen

    Nur leider steht das Toilettenhäuschen genau vor dem Münzeinwurf, oder? :p

  2. Tatort Paderborn - Admin

    Oh je. Das ist aber schade! :-(
    Die vorgelagerten Pflanzkisten von Ooze Architects mussten auch umziehen. Das war aber von vorneherein klar. Die haben jetzt Asyl vor der Stadtbibliothek gefunden.
    Libori ist eben Libori … :-)

  3. Armin Szelchuk

    Der Pfau muss zu Libori täglich ab der Dämmerung eingeschaltet werden! Dann erhält er auch endlich die Aufmerksamkeit die ihm zusteht! Ich bezweifele nämlich das jemand hinter den Toilettenwagen klettert um dort Münzen einzuwerfen!
    Geht das?

    Da hätte man wirklich im Vorfeld mal besser nachdenken müssen!
    …Künstler halt!

  4. Tatort Paderborn - Admin

    Ne, nicht Künstler. Eine Künstlerin aus Frankfurt weiß wohl kaum, wo der Toilettenwagen zu Libori steht. Aber die Aufsteller dieses Wagens hätten durchaus mit offenen Augen arbeiten können.

    Der Pfau kann und vor allem soll nicht ständig brennen. Dann wäre er nichts anderes als eine “Lichtreklame” – für was auch immer. Silke Wagner sagt sehr genau, dass sie u.a. über die bewusste Aktion des Publikums ein Bewusstsein für die Vereinnahmung von Kunst im öffentlichen Raum schaffen möchte und natürlich auch für die Reizüberflutung durch Reklame, der wir alle ausgesetzt sind. Siehe hierzu auch vorangegangene Beiträge in diesem Blog unter “Silke Wagner”.

  5. Armin Szelchuk

    Libori ist an sich schon eine Reizüberflutung! Da kann ruhig auch der Pfau ständig brennen. Egal ob die Künstlerin meint ein Bewusstsein schaffen zu müssen. Das gelingt ihr während Libori sowieso nicht weil es niemanden interessiert. Deshalb mein dringenden Appell: Schaltet diesen schönen Pfau täglich von der Dämmerung an ein und wertet dadurch den Platz auf. Das wird ein echter Hingucker!

  6. Tatort Paderborn

    Es ist Teil des Kunstwerks, dass das Neonlicht nur durch eigene Aktivität und mit einer Gegenleistung verfügbar wird. Beim Einwurf der Münze entsteht ja auch ganz bewusst kein Dauerlicht, sondern eine Art Lichtspiel.
    Die “Aufwertung” des Platzes ist dann also ein bewusster Akt des Einzelnen. Darum geht‘s.

    Und: Wir suchen nach Möglichkeiten, wie man der ärgerlichen Fehlsetzung des WC-Containers begegnen kann.