„Pflanzkultur“ mit historischen Wurzeln oder Urban Gardening vor der Marktkirche

Auf dem großen Vorplatz der Paderborner Marktkirche legen Ooze Architects – Eva Pfannes und Sylvian Hartenberg –
eine Gartenlandschaft aus Hochbeeten an. Die rechteckigen und quadratischen Module werden mit Heilpflanzen und
Kräutern, Stauden oder Gehölzen bepflanzt. Einige von ihnen sind längst in Vergessenheit geraten. So entsteht eine
Art moderner Klostergarten mitten in der Paderborner Einkaufszone.
Diese Arbeit für das Kunstprojekt „Tatort Paderborn 2014 – Phänomen Fußgängerzone“ setzt stadtplanerische und
ästhetische Akzente, indem sie eine prominente Freifläche in der Innenstadt neu nutzt und Grundgedanken des Urban
Gardening aufnimmt.
Das Gärtnern in der Stadt, wie es im Prinzessinnengarten von Berlin Kreuzberg oder auf den Dächern von New Yorker
Hochhäusern praktiziert wird, ist eine Rückkehr der Nutzpflanzen in einen Lebensraum, aus dem sie schon vor vielen
Jahrzehnten verdrängt wurden. Dabei geht es nicht nur um das Züchten von Pflanzen oder das Erzeugung von Verzehrbarem.
Wo es Urban Gardening gibt, findet Kommunikation statt. Es entstehen neue Treffpunkte, grüne Oasen,
im besten Fall Orte der Entschleunigung, an denen das Nachdenken über Konsum und seine Folgen ebenso nahe liegt
wie die Frage: Wie wollen wir leben?
Die Künstler_innen:
Ooze (Eva Pfannes und Sylvain Hartenberg) ist ein international tätiges Büro mit Schwerpunkt Kunst, Architektur und
Urbanismus. Das Raum etwas Subjektives ist, ist eine der Grundannahmen der Architekten von Ooze. So gehen sie
davon aus, dass die Bewohner und Nutzer eines Raumes immer jeweils ihre eigene Geschichte in diesem zum Trage
bringen. Sie schöpfen aus diesen Geschichten – ihren Hintergründen und Perspektiven – um die Umgebung in der sie
sich befinden kontinuierlich neu zu gestalten. Die Maßnahmen von Ooze machen die gestaltete Umgebung empfänglich
für ihre Bewohner und Nutzer. Ihre Projekte erlauben es, einen Raum, ein Gebäude oder das Viertel einer Stadt in
Besitz zu nehmen und diese weiterzuentwickeln, wobei die entsprechenden Maßnahmen als Werkzeug dazu dienen,
ihre Lebensqualität zu verbessern. Ooze möchte Katalysator für Prozesse sein, in denen es um die Gestaltung von
nachhaltigem Leben in einer Stadt geht.
Neben zahlreichen internationalen Auszeichnungen gewannen Ooze Architects 2006 den begehrten Prix de Rome.
Eva Pfannes (*1970) studierte an der Kunst-Akademie Stuttgart und der Bartlett Architekturschule London. Anschließend
arbeitete sie bei Maxwan architects + urbanists in Rotterdam und Zaha Hadid Architects in London. Sie war als
Tutorin sowie Gastkritikerin tätig und unterrichtet an der Eindhoven Design Academy (NL).
Sylvain Hartenberg (*1968) studierte an der Ecole Nationale Supérieure des Arts et Industries (ENSAIS) in Straßburg
und an der Bartlett Architekturschule London. In Paris und London arbeitete er für Architekturbüros und war als Gastkritiker
für Barlett und North London Polytechnic tätig.