Where the streets are paved with gold

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Stracke & Seibt nehmen in Paderborn eine Stadtvergoldung vor

Gold fasziniert die Menschheit seit vielen, vielen Jahrhunderten. Einfach nichts anderes wird so sehr assoziiert mit Schönheit, mit Wertigkeit, mit Wohlstand, mit Reichtum. Was also läge näher, als die Fußgängerzone zu vergolden, will man dem in die Jahre und auch ein wenig in die Bredouille geratenem Nachkriegsmodell einer städtischen Lebensader in der Innenstadt neuen Glanz verleihen. Aus dieser Idee heraus unterziehen die Künstlerinnen Clea Stracke & Verena Seibt als Beitrag zu „Tatort Paderborn 2014 – Phänomen Fußgängerzone“ das Pflaster der Paderborner Westernstrasse einer „Stadtvergoldung“.

Mit „Where the streets are paved with gold“ pries New York Amerika als gelobtes Land für Einwanderer an. Auch in Paderborn gab es in jüngerer Vergangenheit den Wunsch nach goldenem Glanz, denn früher war eben nicht nur mehr Lametta. Auf Wunsch und gestiftet von den Bürgern der Stadt erstrahlt der Barockaltar in der Marktkirche nach seiner Rekonstruktion in neuem goldenen Glanz. Als Himmel auf Erden. Transzendentalen Glanz und Ewigkeit, Irdische Macht und Reichtum, das alles symbolisiert das Gold. Denn es ist Schmuck und Essenz zugleich.

Ausgewählt wurde eine zentrale und viel begangene Stelle in der Paderborner Westernstrasse an der Schnittstelle zum Königsplatz. Dieser exponierte Punkt wird sicherlich von den meisten Einheimischen und Besuchern ausdrücklich als Fußgängerzone der Stadt empfunden. Die beiden Künstlerinnen werden in akribischer Feinarbeit und nach alten Handwerksregeln selbst Hand anlegen, lassen sich aber von der Vergoldermeisterin Sylvia Kellner aus Utting am Ammersee dabei anleiten. Das Handwerk des Vergoldens ist schließlich eine traditionsreiche und komplizierte Kunstfertigkeit. Im absoluten Wortsinne hauchdünn sind die Blättchen, die auf Betonplatten, Gulli-Deckel und Pflastersteine aufgetragen werden. Daher muss auch für diese ungewöhnliche Straßenarbeit eine kleine Baustelle errichtet werden, denn der kleinste Windhauch weht das wertvolle Material dahin, bevor es angebracht wurde.

Verena Seibt probt die Arbeit mit dem Blattgold

Die goldene Bodenkosmetik steht ganz im Widerspruch zum Umgang mit der Straße, die man sonst nur mit Füßen (be-)tritt. Gerade in der ausführlichen und liebevollen Oberflächenbehandlung des absolut Profanen lenken die Künstlerinnen den Fokus auf das Phänomen der Fußgängerzone selbst. Dem Passantenstrom steht die Langsamkeit, das behutsame Voranschreiten der Vergoldungsprozedur wie eine Insel entgegen und lädt zum Innehalten ein. Wie ein „Paste-up“, ein Klebebild aus der Urban-Art-Szene, verweist der Goldboden zum einen auf die subkulturelle Aneignung des Stadtraums, zum anderen stellt er die Aufwertungsstrategien des Stadtmarketings in Frage. Schließlich aber ist es der hohe Wert und Stoff, das Gold selbst, das die Präsenz der Kirche widerspiegelt, wie auch das Begehren der Stadt nach Wohlstand und Glück ins Bewusstsein rückt.

Geplant ist, eine Fläche von ein paar Quadratmetern zu erreichen, die als pars pro toto für die Aufwertung des gesamten Stadtraums steht und rührend in ihrem Ausmaß von der Unmöglichkeit des Unterfangens zeugt. Zwischen den Vergoldungsphasen wird der Goldboden der Öffentlichkeit freigegeben. So wird sich zeigen, welchen Umgang er erfährt und wie schnell die Spuren der Zeit, des Wetters, der Schritte beim Darüberlaufen ihn wiederum Stück für Stück abtragen werden und sich das Gold an den Schuhsolen wie eine Botschaft über die gesamte Stadt verteilt.

Die Vergoldung findet in drei Phasen statt: Do. 29. + Fr. 30. Mai, Fr. 4. bis So. 6. Juli, Do. 4. bis Sa. 6. September. In der übrigen Zeit wird die vergoldete Fläche freigegeben.

großes Foto: Harald Morsch/Verena Seibt

  1. wolfgang püschel

    GOLD
    GOLD SPIEGELBILD DER SONNE AUF DER ERDE
    GOLD HERZORGAN IM MENSCHEN
    GOLD = FRIEDENSSYMBOL = HARMONIE

    EINE SCHÖNE ARBEIT AUF DEM STEINBODEN DER STADTERDE
    WELCHE DAS UMFELD LÄCHELND HINTERFRAGT
    GRUSS WOLFGANG PÜSCHEL
    27.6.2014