Clea Stracke und Verena Seibt, München

"Stadtvergoldung" von Clea Stracke & Verena Seibt, Installation und Performance, Westerstraße/vor dem Kaufhaus Klingenthal © Roman Mensing

© Roman Mensing

Stadtvergoldung
Installation und Performance
Clea Stracke & Verena Seibt
Verena Seibt *1980 in Dachau, Clea Stracke *1982 in Berlin, leben in Köln und München
Standort: Westernstraße, Platz vor dem Kaufhaus Klingenthal

Ein Baustellenensemble lässt zunächst an Straßenarbeiten denken. Erst bei näherem Hingehen kann die Kunstinstallation erkannt werden. Clea Stracke und Verena Seibt belegen in akribischer Feinarbeit und nach alten Handwerksregeln den Boden mit Gold, dem Symbol für Glanz und Ewigkeit, Macht und Reichtum. Stück für Stück werden Betonplatten, Gulli-Deckel, Pflastersteine mit Blattgold überzogen. Ein Gegensatz zum alltäglichen Umgang mit der Straße, die man sonst nur mit Füßen (be-)tritt. Durch die liebevolle Behandlung des absolut Profanen wird der Fokus auf das Phänomen der Fußgängerzone selbst gelenkt. Die Langsamkeit der Vergoldungsprozedur steht dem Passantenstrom entgegen und lädt zum Innehalten ein. Was mit der goldenen Fläche geschieht, wenn die Fläche freigegeben ist, bleibt abzuwarten. Vielleicht werden die Spuren der Zeit, des Wetters, der Schritte die wertvolle Schicht nach und nach abtragen. Vielleicht verteilt sich das Gold an den Schuhsolen wie eine Botschaft über die gesamte Stadt. Geplant ist, eine Fläche von ein paar Quadratmetern zu bearbeiten, die als pars pro toto für die Aufwertung des gesamten
Stadtraums steht und rührend in ihrem Ausmaß von der Unmöglichkeit des Unterfangens zeugt.
Die Vergoldung findet in drei Phasen statt: Do. 29. + Fr. 30. Mai, Fr. 04. bis So. 06. Juli, Do. 4. bis Sa. 6. September. Inder übrigen Zeit wird die vergoldete Fläche freigegeben.

Clea Stracke und Verena Seibt arbeiten seit 2006 zusammen. Gemeinsam erhielten sie die Projektförderung des Akademievereins, den Diplompreis der Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung, den Start Point Preis der Galerie Klatovy/Klenová, CZ und das Projektstipendium für Bildende Kunst der Stadt München. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

www.strackeseibt.com
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Where the streets are paved with gold

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Stracke & Seibt nehmen in Paderborn eine Stadtvergoldung vor

Gold fasziniert die Menschheit seit vielen, vielen Jahrhunderten. Einfach nichts anderes wird so sehr assoziiert mit Schönheit, mit Wertigkeit, mit Wohlstand, mit Reichtum. Was also läge näher, als die Fußgängerzone zu vergolden, will man dem in die Jahre und auch ein wenig in die Bredouille geratenem Nachkriegsmodell einer städtischen Lebensader in der Innenstadt neuen Glanz verleihen. Aus dieser Idee heraus unterziehen die Künstlerinnen Clea Stracke & Verena Seibt als Beitrag zu „Tatort Paderborn 2014 – Phänomen Fußgängerzone“ das Pflaster der Paderborner Westernstrasse einer „Stadtvergoldung“.

Mit „Where the streets are paved with gold“ pries New York Amerika als gelobtes Land für Einwanderer an. Auch in Paderborn gab es in jüngerer Vergangenheit den Wunsch nach goldenem Glanz, denn früher war eben nicht nur mehr Lametta. Auf Wunsch und gestiftet von den Bürgern der Stadt erstrahlt der Barockaltar in der Marktkirche nach seiner Rekonstruktion in neuem goldenen Glanz. Als Himmel auf Erden. Transzendentalen Glanz und Ewigkeit, Irdische Macht und Reichtum, das alles symbolisiert das Gold. Denn es ist Schmuck und Essenz zugleich.

Ausgewählt wurde eine zentrale und viel begangene Stelle in der Paderborner Westernstrasse an der Schnittstelle zum Königsplatz. Dieser exponierte Punkt wird sicherlich von den meisten Einheimischen und Besuchern ausdrücklich als Fußgängerzone der Stadt empfunden. Die beiden Künstlerinnen werden in akribischer Feinarbeit und nach alten Handwerksregeln selbst Hand anlegen, lassen sich aber von der Vergoldermeisterin Sylvia Kellner aus Utting am Ammersee dabei anleiten. Das Handwerk des Vergoldens ist schließlich eine traditionsreiche und komplizierte Kunstfertigkeit. Im absoluten Wortsinne hauchdünn sind die Blättchen, die auf Betonplatten, Gulli-Deckel und Pflastersteine aufgetragen werden. Daher muss auch für diese ungewöhnliche Straßenarbeit eine kleine Baustelle errichtet werden, denn der kleinste Windhauch weht das wertvolle Material dahin, bevor es angebracht wurde.

Verena Seibt probt die Arbeit mit dem Blattgold

Die goldene Bodenkosmetik steht ganz im Widerspruch zum Umgang mit der Straße, die man sonst nur mit Füßen (be-)tritt. Gerade in der ausführlichen und liebevollen Oberflächenbehandlung des absolut Profanen lenken die Künstlerinnen den Fokus auf das Phänomen der Fußgängerzone selbst. Dem Passantenstrom steht die Langsamkeit, das behutsame Voranschreiten der Vergoldungsprozedur wie eine Insel entgegen und lädt zum Innehalten ein. Wie ein „Paste-up“, ein Klebebild aus der Urban-Art-Szene, verweist der Goldboden zum einen auf die subkulturelle Aneignung des Stadtraums, zum anderen stellt er die Aufwertungsstrategien des Stadtmarketings in Frage. Schließlich aber ist es der hohe Wert und Stoff, das Gold selbst, das die Präsenz der Kirche widerspiegelt, wie auch das Begehren der Stadt nach Wohlstand und Glück ins Bewusstsein rückt.

Geplant ist, eine Fläche von ein paar Quadratmetern zu erreichen, die als pars pro toto für die Aufwertung des gesamten Stadtraums steht und rührend in ihrem Ausmaß von der Unmöglichkeit des Unterfangens zeugt. Zwischen den Vergoldungsphasen wird der Goldboden der Öffentlichkeit freigegeben. So wird sich zeigen, welchen Umgang er erfährt und wie schnell die Spuren der Zeit, des Wetters, der Schritte beim Darüberlaufen ihn wiederum Stück für Stück abtragen werden und sich das Gold an den Schuhsolen wie eine Botschaft über die gesamte Stadt verteilt.

Die Vergoldung findet in drei Phasen statt: Do. 29. + Fr. 30. Mai, Fr. 4. bis So. 6. Juli, Do. 4. bis Sa. 6. September. In der übrigen Zeit wird die vergoldete Fläche freigegeben.

großes Foto: Harald Morsch/Verena Seibt