Stühle zum Teilen

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Dorothee Golz lässt für Tatort Paderborn 2014 CHAIRS to SHARE installieren

Vor der Franziskanerkirche in der Westernstraße – mitten in der Hauptachse der Paderborner Einkaufszone – sind Sitzbänke aus Metallgittern montiert. Unauffällig. Übliches Stadtmobiliar. Ab und zu lässt sich dort auch jemand nieder: Ältere Menschen, denen das Laufen zu anstrengend wird. Eltern mit Kleinkindern, die mal schnell versorgt werden müssen, tuschelnde Freundinnen oder coole Kerle, rauchend, schwatzend, laut.

Stühle im Stadtraum von Paderborn

Stühle im Stadtraum von Paderborn

Dennoch, ein Treffpunkt scheint dieser Ort nicht zu sein. Das könnte sich bald ändern, denn die Künstlerin Dorothee Golz aus Wien wird die alten Stühle abmontieren lassen und hier ihre Arbeit zum Thema Fußgängerzone installieren. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Frau Golz, welches Verhältnis haben Sie zur Fußgängerzone?

Das ist ein toller Bereich, an dem man Kunst einbringen kann, wo viele Menschen sind und sich umschauen. Hier ist es möglich, Kunst außerhalb der üblichen Orte, der Museen und Ausstellungsräume zu präsentieren und sie in den Alltag einzubringen. Ich sehe darin eine große Chance und fand das Projekt „Tatort Paderborn“ von Anfang an sehr spannend. Ich habe dann verschiedene Überlegungen für meine Arbeit angestellt. Dabei war von vornherein klar, dass ich etwas machen würde, woran sich die Passanten beteiligen können, etwas, was sie nutzen können oder in das sie in irgendeiner Form aktiv eingebunden werden.

Dorothee Golz

Dorothee Golz

Arbeiten Sie häufiger im Öffentlichen Raum?

Es ist nicht unbedingt typisch für mich, aber es gibt einige Objekte von mir im Öffentlichen Raum. Wenn ich die Gelegenheit bekomme arbeite ich dort sehr gerne.

Wie viele CHAIRS to SHARE Chairs bringen Sie nach Paderborn?

Es werden 10 Stühle sein, also 10 Sitzobjekte.

Wie funktionieren die eigentlich?

Wenn sie alleine stehen, sind sie im Grunde nicht benutzbare Kunstobjekte, eine Art Skulptur. Sobald zwei Objekte zusammengestellt werden, bieten sie eine Sitzschale an und sind nutzbar. Das eine Element braucht immer das andere um funktional zu werden.

Chairs für Paderborn

Prototypen Chairs to Share
© Dorothee Golz

Welche Farben werden die CHAIRS haben?

Es wird Rosa, Türkis, Orange, Gelb, Rubinrot und ein richtig schönes Knallrot geben. Die Chairs werden ein Eyecatcher sein. Es sind fröhliche Farben und eine schöne Farbharmonie, die auch gut in diesem Umfeld funktionieren wird, zusammen mit den grauen Steinen. Es ist eine sehr heitere Angelegenheit.

Wie kann ich mir Ihre Installation vorstellen?

Alle Schalen sind auf einer Traverse befestigt. Dazwischen gibt es auch Leerstellen, sie sind genauso breit wie ein Stuhlelement. Einerseits bilden diese Elemente eine Art Symbiose und in der Symbiose werden sie funktional, nutzbare Gebrauchsgegenstände. Getrennt oder auch einzeln aufgestellt werden sie zu etwas anderem, dann sind sie Kunstobjekte. Ein Stuhlelement in der Sitzreihe wird alleine stehen und so ist es auch nicht nutzbar. Damit wird der Charakter als skulpturale künstlerische Grundform sichtbar.

Prototypen Chairs to Share © Dorothee Golz

Prototypen Chairs to Share
© Dorothee Golz

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit in Paderborn?

Ich stelle mir vor, dass die Leute die Stühle in Besitz nehmen. Im wörtlichen Sinn, dass sie sich hinsetzen und somit aktiver Teil der Installation werden. Es wäre schön, wenn es einen ständigen Wechsel gibt: Passanten, lassen sich nieder, stehen dann wieder auf, gehen weiter, andere setzen sich hin. Zwischen ihnen bleiben Sitze frei. Das kann ein schönes Bild werden, eine Art Schauspiel, was sich da präsentiert, auch für die Menschen, die vorbeigehen.

..und vielleicht darüber reden. Dann sind Ihre CHAIRS to SHARE auch ein Kommunikationsmöbel?

Sie sind etwas zwischen Gebrauchsobjekt und Kunstobjekt. Ein Möbel, wie ihr Name schon sagt, das zum Teilen ist, an dem man teilnimmt, ein Ort an dem man sich austauschen kann.

Das Gespräch führte Waltraud Murauer-Ziebach.

Hauptfoto © Dorothee Golz